Deckungsbeitrag berechnen: So erkennst du, was dein Hof wirklich verdient

Der Deckungsbeitrag sagt dir, welche Kultur oder welcher Betriebszweig sich wirklich lohnt. Formel, Beispiele und häufige Fehler.

Wirtschaft17 Min. LesezeitAktualisiert 17.10.2026
Zum Förder-Check →

Aktualisiert am

Viele Landwirte schauen auf den Umsatz. Die erfolgreichen schauen auf den Deckungsbeitrag. Warum? Weil der Umsatz dir nichts darüber sagt, ob sich eine Kultur oder ein Betriebszweig wirklich lohnt. Der Deckungsbeitrag (DB) schon.

Warum der Deckungsbeitrag wichtiger ist als der Umsatz

Landwirt zwischen Weizen- und Rapsfeld mit Balkendiagramm — Deckungsbeitrag berechnen

Stell dir zwei Felder vor:

  • Feld A: Weizen, 85 dt/ha, 22 €/dt → 1.870 €/ha Umsatz
  • Feld B: Raps, 40 dt/ha, 45 €/dt → 1.800 €/ha Umsatz

Klarer Fall — Weizen gewinnt? Nicht so schnell. Wenn du die variablen Kosten abziehst, kann sich das Bild drehen. Vielleicht kostet der Raps pro Hektar 650 € an Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz, der Weizen aber 900 €. Dann sieht die Rechnung so aus:

  • Weizen DB: 1.870 € − 900 € = 970 €/ha
  • Raps DB: 1.800 € − 650 € = 1.150 €/ha

Plötzlich liegt Raps vorn — um 180 €/ha, bei 40 ha sind das 7.200 € pro Jahr.

Das ist der ganze Sinn des Deckungsbeitrags: Er zeigt dir, was nach den direkt der Kultur zurechenbaren Kosten für dich übrig bleibt — für Pacht, Maschinen, Arbeit und Gewinn.

Die Formel (einfach)

Deckungsbeitrag = Leistung − variable Kosten

In Worten: Was du einnimmst minus das, was du nur hast, weil du diese Kultur angebaut oder dieses Tier gehalten hast.

Was zählt zu den variablen Kosten?

Variabel heißt: Die Kosten entstehen nur, weil du die Kultur anbaust. Baust du sie nicht an, entstehen sie nicht. Typische variable Kosten:

  • Saatgut / Jungpflanzen
  • Dünger (mineralisch, organisch zugekauft)
  • Pflanzenschutzmittel
  • Variable Maschinenkosten (Treibstoff, Lohnunternehmer, Kalk)
  • Trocknung, Reinigung, Transport bis ab Hof
  • Hagelversicherung (wenn kulturspezifisch)
  • Zinsen Umlaufvermögen

Fixe Kosten gehören NICHT rein — also keine Pacht, keine AfA für Traktor, keine Gebäudekosten. Die fallen an, egal was du anbaust.

Beispiel: Weizen auf 40 ha

Konkrete Zahlen mit den Richtwerten, mit denen unser Rechner startet (netto, Stand Oktober 2026):

Leistung:

  • Ertrag: 76 dt/ha × 22 €/dt = 1.672 €
  • Prämien: nicht im DB, die rechnest du getrennt dazu (siehe unten)
  • Summe Leistung: 1.672 €/ha

Variable Kosten:

  • Saatgut: 100 €
  • Dünger (N/P/K): 360 €
  • Pflanzenschutz: 155 €
  • Variable Maschinenkosten: 285 €
  • Trocknung, Reinigung, Hagel: 105 €
  • Summe variable Kosten: 1.005 €/ha

Deckungsbeitrag: 1.672 € − 1.005 € = 667 €/ha

Bei 40 ha sind das 26.680 € DB pro Jahr, aus denen du Pacht, Lohn, Maschinen und Gewinn finanzieren musst. Prämien kommen getrennt dazu: Die Einkommensgrundstützung brachte 2025 rund 152 €/ha, für 2026 sind rund 147 €/ha geplant.

Vergleich zwischen Kulturen nutzen

Der DB wird erst dann wirklich stark, wenn du Alternativen vergleichst — hier mit den Richtwerten aus unserem Rechner (netto, ohne Prämien):

Kultur Leistung €/ha Var. Kosten €/ha DB €/ha
Weizen 1.672 1.005 667
Raps 1.764 1.105 659
Wintergerste 1.260 945 315
Zuckerrüben 2.560 1.685 875

Rübe schlägt alles — aber nur, wenn du die Kosten und den Arbeitsaufwand realistisch rechnest. Zuckerrüben brauchen bestimmte Böden, Technik und Lieferverträge. Die Rechnung zeigt das Potenzial, die Entscheidung bleibt bei dir.

DB I, DB II, DB III — wie weit du rechnest

In der Beratungspraxis wird der Deckungsbeitrag gestuft gerechnet. Jede Stufe zieht einen weiteren Kostenblock ab und beantwortet dadurch eine andere Frage. Die Abgrenzungen sind nicht bundesweit einheitlich — Landwirtschaftskammern und Beratungsringe ziehen die Grenzen leicht unterschiedlich. Entscheidend ist, dass du innerhalb deines Betriebs immer dieselbe Abgrenzung verwendest, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.

  • DB I — Leistung minus variable Spezialkosten: Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Trocknung. Beantwortet: Lohnt sich der Anbau überhaupt?
  • DB II — DB I minus die zurechenbaren Arbeitserledigungskosten: Lohnunternehmer, Treibstoff, variable Maschinenkosten. Beantwortet: Trägt die Kultur auch ihre eigene Bearbeitung?
  • DB III — DB II minus die Flächenkosten, also vor allem die Pacht. Beantwortet: Bleibt nach der Pacht noch etwas übrig?

Für die schnelle Anbauentscheidung im Herbst reicht DB I. Sobald es um Flächenzukauf oder neue Pachtflächen geht, brauchst du DB III — denn erst dort entscheidet sich, ob ein Pachtpreis noch tragbar ist.

Vom Deckungsbeitrag zum Gewinn: Was dein Hof wirklich verdient

Auch DB III ist noch nicht der Gewinn. Der Deckungsbeitrag zeigt dir, welche Kultur mehr bringt. Was dein Hof unterm Strich verdient, siehst du erst, wenn du alle Kulturen zusammenzählst und die Festkosten abziehst. Festkosten fallen an, egal was du anbaust. Das KTBL nennt sie einen „Kostenblock“, den der Gesamtdeckungsbeitrag decken muss.

Gesamtdeckungsbeitrag = DB je Hektar × Fläche, für jede Kultur, zusammengezählt
Gewinn = Gesamtdeckungsbeitrag + Prämien und sonstige Erträge − Festkosten
Kalkulatorisches Betriebsergebnis = Gewinn − Lohnansatz für deine Arbeit − Zinsansatz für dein Eigenkapital

Zu den Festkosten gehören vor allem:

  • Pacht für die zugepachteten Flächen
  • Abschreibung für Maschinen und Gebäude
  • Löhne für ständig Beschäftigte
  • Zinsen für deine Kredite
  • Gebäudeunterhalt und Betriebsversicherungen
  • Gemeinkosten wie Buchführung, Verbandsbeiträge, Auto und Telefon

Was schon im DB steckt, ziehst du nicht noch einmal ab. Treibstoff, Lohnunternehmer und Hagelversicherung gehören zu den variablen Kosten. Auch Reparaturen an Maschinen zählt das KTBL zu den variablen Maschinenkosten.

Teilkosten oder Vollkosten? Der Deckungsbeitrag ist eine Teilkostenrechnung. Er zieht nur die Kosten ab, die direkt an einer Kultur hängen. Die Vollkostenrechnung verteilt zusätzlich die Gemeinkosten des Betriebs auf die Kulturen. Für die Frage „Was baue ich nächstes Jahr an?“ reicht der DB: Laut KTBL liefert die Teilkostenrechnung für die kurz- bis mittelfristige Planung alle entscheidenden Kennzahlen. Für die Fragen „Trägt sich mein Hof?“ und „Rechnet sich die neue Maschine?“ brauchst du die Festkosten. Die Kalkulationen der LfL Bayern rechnen je Kultur bis zum „Unternehmergewinn“ weiter, also nach Festkosten und nach Ansätzen für eigene Arbeit, Boden und Kapital.

Beispiel: 100 Hektar Ackerbau durchgerechnet

Ein Ackerbaubetrieb mit 100 ha, davon 60 ha gepachtet. Die Deckungsbeiträge sind die Richtwerte aus unserem Rechner (netto, Stand Oktober 2026). Die EU-Direktzahlungen (mehr als nur die Einkommensgrundstützung) und die Festkosten sind Durchschnittswerte je Hektar aus dem Testbetriebsnetz des BMLEH: Ackerbaubetriebe im Haupterwerb mit Schwerpunkt Getreide, im Schnitt 161,5 ha, Wirtschaftsjahr 2024/25. Das Beispiel ist vereinfacht. Es zeigt die Größenordnung, nicht deinen Betrieb.

Position Rechnung € im Jahr
Winterweizen 50 ha × 667 €/ha 33.350
Winterraps 25 ha × 659 €/ha 16.475
Wintergerste 25 ha × 315 €/ha 7.875
Gesamtdeckungsbeitrag 57.700
+ EU-Direktzahlungen 100 ha × 229 €/ha + 22.900
− Pacht 60 ha × 336 €/ha − 20.160
− Abschreibungen 100 ha × 246 €/ha − 24.600
− Gebäudeunterhalt und Betriebsversicherungen 100 ha × 107 €/ha − 10.700
− Sonstiger Betriebsaufwand ohne Pacht 100 ha × 108 €/ha − 10.800
− Löhne für Angestellte 100 ha × 76 €/ha − 7.600
− Zinsen für Kredite 100 ha × 34 €/ha − 3.400
− Betriebssteuern 100 ha × 11 €/ha − 1.100
Gewinn 2.240
− Lohnansatz für dich als Betriebsleiter Grundlohn laut BMLEH − 43.122
Kalkulatorisches Betriebsergebnis noch ohne Zinsansatz − 40.882

Der Betrieb deckt alle Kosten und macht einen kleinen Gewinn. Aber der Gewinn ist kein Bonus obendrauf. Er ist alles, was für deine Arbeit, dein Eigenkapital und dein Risiko übrig bleibt. Das BMLEH beschreibt ihn genau so: als Entgelt für die nicht entlohnte Arbeit, das eingesetzte Eigenkapital und die unternehmerische Tätigkeit. Aus dem Gewinn zahlst du Lebenshaltung, Krankenversicherung, Alterssicherung und private Steuern, dazu Tilgung und neue Investitionen.

Für eine ehrliche Rechnung setzt du deshalb einen Lohn für dich an, den Lohnansatz. Das BMLEH rechnet für die Betriebsleitung im Wirtschaftsjahr 2024/25 mit einem Grundlohn von 43.122 € je Jahr, dazu kommt ein Zuschlag, der mit Fläche, Vermögen und Umsatz steigt. Für mitarbeitende Familienangehörige sind es 33.737 € je voller Arbeitskraft. Für das Eigenkapital setzt das BMLEH bei einzelnen Kennzahlen 3,0 % Zins an. Erst was nach diesen Ansätzen übrig bleibt, verdient dein Hof über deinen Lohn hinaus. Im Beispiel fehlen schon beim Lohn rund 41.000 €.

Zu schwarz gemalt? Die echten Zahlen sind besser, aber nicht gut genug. Die Getreidebetriebe aus dem Testbetriebsnetz machten 2024/25 im Schnitt 45.721 € Gewinn, das sind 283 €/ha. Der Lohnansatz für die Arbeit der Familie lag bei 52.539 €, also höher als der Gewinn. Besser als im Beispiel stehen sie unter anderem, weil sie auch außerhalb des eigenen Ackerbaus Geld einnehmen: Handel, Dienstleistungen und Nebenbetriebe brachten 174 €/ha Umsatz, davon 63 €/ha Lohnarbeit und Maschinenvermietung.

So rechnest du es für deinen Hof:

  • Gesamt-DB: Rechne jede Kultur im Deckungsbeitragsrechner durch und merk sie dir. Die Vergleichstabelle zeigt dir den DB je Hektar und gesamt für deine Fläche.
  • Festkosten: Nimm sie aus deinem Jahresabschluss. Abschreibungen, Personalaufwand, Unterhaltung, Betriebsversicherungen, Pacht und Zinsen stehen dort als eigene Positionen. Was schon im DB steckt, etwa die Hagelversicherung oder Reparaturen, zählst du nur einmal.
  • Dein Lohn: Setz einen Lohnansatz für dich und mitarbeitende Familienangehörige an. Erst danach siehst du, ob dein Hof mehr verdient als einen Lohn.
  • Die Hebel: mehr DB je Hektar, weniger Festkosten je Hektar oder zusätzliche Einnahmen. Im Beispiel sind Abschreibung und Pacht die größten Festkosten. Bei den Maschinen hilft der Vergleich neu, gebraucht oder Leasing, bei den Einnahmen ein zweites Standbein.

Pro Hektar ist nicht immer der richtige Maßstab

Der Deckungsbeitrag je Hektar ist die übliche Bezugsgröße — aber die richtige ist sie nur dann, wenn die Fläche dein knappster Faktor ist. Ist sie es nicht, führt sie in die Irre.

Die Regel lautet: Rechne den Deckungsbeitrag je Einheit des Faktors, der bei dir am knappsten ist.

  • Fläche knapp — die klassische Situation in Veredelungsregionen: Deckungsbeitrag je Hektar.
  • Arbeitszeit knapp — Ein-Mann-Betrieb oder Nebenerwerb: Deckungsbeitrag je Arbeitskraftstunde.
  • Stallplatz knapp — Veredelung mit begrenzter Genehmigung: Deckungsbeitrag je Stallplatz und Jahr.
  • Kapital knapp — nach einer großen Investition: Deckungsbeitrag je eingesetztem Euro Umlaufvermögen.

Das Ergebnis kann sich dadurch umdrehen. Eine Kultur mit starkem Deckungsbeitrag je Hektar, die dir in der Ernte drei Wochen Arbeitszeit wegnimmt, steht je Arbeitsstunde womöglich schlechter da als eine unspektakuläre Kultur, die kaum Zeit kostet. Wer den Betrieb allein bewirtschaftet, sollte deshalb grundsätzlich zusätzlich je Arbeitskraftstunde rechnen — dort liegt in kleinen Betrieben fast immer die eigentliche Grenze.

Deckungsbeitrag in der Viehhaltung

Im Ackerbau rechnest du je Hektar, in der Tierhaltung je Tier und Jahr. Das Prinzip bleibt identisch, nur die Positionen wechseln: Auf der Leistungsseite stehen Milch-, Fleisch- oder Eiererlöse plus Tierverkäufe, auf der Kostenseite Futter, Bestandsergänzung, Tierarzt, Besamung, Klauenpflege, Einstreu sowie Wasser und Energie im Stall.

In der Milchviehhaltung hat sich dafür ein eigener Begriff etabliert: die direktkostenfreie Leistung (DkfL), meist angegeben je Kuh und Jahr oder je Kilogramm Milch. Sie ist im Kern ein Deckungsbeitrag, folgt aber einer festen Abgrenzung, die von Landwirtschaftskammern und Beratungsringen einheitlich verwendet wird — und ist genau deshalb die Kennzahl, mit der sich Milchviehbetriebe untereinander vergleichen lassen.

Ein Fallstrick: Selbst erzeugtes Grundfutter wird gern mit null angesetzt, weil dafür keine Rechnung kommt. Das verfälscht das Ergebnis erheblich. Setz das eigene Futter mit dem Deckungsbeitrag an, den die Fläche bei alternativer Nutzung gebracht hätte — sonst subventioniert dein Ackerbau still deine Milch, ohne dass du es in den Zahlen siehst.

Statt durchschnittlicher Deckungsbeiträge: Richtwerte je Kultur (Stand Oktober 2026)

Einen bundesweit gültigen Durchschnittswert gibt es nicht — dafür gehen Standort, Ertragsniveau und Vermarktung zu weit auseinander (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Zur Orientierung zeigt die Tabelle die Richtwerte, mit denen unser Deckungsbeitragsrechner für seine sechs Kulturen startet — netto und ohne Prämien. Weizen, Raps, Gerste und Zuckerrüben kennst du schon aus dem Weizen-Beispiel auf 40 ha und dem Vergleich oben. Die Tabelle rechnet wie der Rechner in Tonnen: 7,6 t/ha sind 76 dt/ha, 220 €/t sind 22 €/dt.

Kultur Ertrag t/ha Preis €/t Leistung €/ha Var. Kosten €/ha DB €/ha
Winterweizen 7,6 220 1.672 1.005 667
Wintergerste (Futter) 7,0 180 1.260 945 315
Winterraps 3,6 490 1.764 1.105 659
Silomais* 45 (Frischmasse) 38 1.710 950 760
Körnermais (inkl. Trocknung) 10,0 210 2.100 1.540 560
Zuckerrüben* 80 32 2.560 1.685 875

Stand und Quellen: Oktober 2026, netto (ohne Umsatzsteuer), ohne Prämien. Erträge: gerundete Mittelwerte nach Destatis, dem Erntebericht 2026 des BMLEH und der LEL Baden-Württemberg. Preise: gerundete Planungswerte der LfL Bayern für die Ernte 2027. Das passt zur Anbauplanung. Für längerfristige Entscheidungen wie Pacht oder Investitionen rechnest du besser mit mehrjährigen Durchschnitten (siehe „Häufige Fehler“). Variable Kosten: Kalkulationsdaten der LfL Bayern (Oktober 2026) und Orientierungswerte der LEL (Mai 2026), die Düngung als Wert der abgefahrenen Nährstoffe.

* Ausnahmen Silomais und Zuckerrüben: Beim Silomais ist nur das Saatgut so hergeleitet. Ertrag, Preis und übrige Kosten sind Startwerte ohne amtliche Herleitung, gerechnet je t Frischmasse mit rund 35 % Trockenmasse. Zum Vergleich beim Verkauf ab Feld: Die Landwirtschaftskammer NRW kommt auf 578 €/ha (45 t Frischmasse mit 33 % Trockenmasse × 32 €/t, Ausgabe 2024/2025), die LEL auf 850 €/ha (15 t Trockenmasse × 100 €/t, mit Rücknahme des Gärrests, Mai 2026). Den Rübenpreis bestimmt dein Liefervertrag, samt Zuckergehalt und Zuschlägen. Unsere 32 €/t liegen etwa beim Grundpreis, den die LfL für die Ernte 2027 ansetzt: 32,38 €/t netto bei 16 % bereinigtem Zuckergehalt, ohne Zuschläge. Die LEL rechnet mit 40 €/t (Mai 2026), die Landwirtschaftskammer NRW mit 42 €/t (Ausgabe 2024/2025). Jeder Euro je Tonne mehr oder weniger verschiebt den DB bei 80 t/ha um 80 €/ha. Setz hier deine eigenen Zahlen ein.

Ein Richtwert ist nicht dein Wert. Schon amtliche Kalkulationen kommen für dieselbe Kultur auf sehr unterschiedliche Zahlen: Für Weizen nennt die LEL Baden-Württemberg 305 €/ha (74 dt/ha × 20 €/dt, Mai 2026), die Landwirtschaftskammer NRW 572 €/ha (75 dt/ha × 21,31 €/dt, Ausgabe 2024/2025). Die Kammer schreibt selbst, ihre Deckungsbeiträge könnten „immer nur als Richtwerte für weitere Überlegungen dienen“. Warum dein eigener Wert abweicht:

  • Standort und Ertrag: Der Ertrag hängt an Boden und Lage und schwankt von Jahr zu Jahr. Winterraps brachte 2026 bundesweit 31,0 dt/ha, 2025 waren es 36,4 dt/ha (Destatis, Stand 24.09.2026). Die Landwirtschaftskammer NRW weist Winterweizen für Erträge von 75 bis 110 dt/ha aus.
  • Preis und Vermarktung: Für die Kammer ist der Preis der größte Hebel. Für A-Weizen zahlte der Handel in Hessen am 13.10.2026 im Schnitt 204,40 €/t netto, ein Jahr zuvor 160,20 €/t (LLH). Bei 7,6 t/ha und gleichen Kosten sind das rund 336 €/ha Unterschied im DB.
  • Maschinenkosten: Schlaggröße, Schlepperleistung, Feldentfernung und Lohnarbeit verschieben die Kosten. Das KTBL rechnet standardmäßig mit 2-ha-Schlägen, 67 kW und 2 km Entfernung.

Was nicht drinsteckt: Prämien, Pacht, Festkosten wie Abschreibung und Betriebsversicherungen und ein Lohn für dich. 315 €/ha bei der Gerste sind also nicht das, was dir bleibt. Was nach diesen Posten übrig bleibt, rechnet der Abschnitt „Vom Deckungsbeitrag zum Gewinn“ oben für einen Betrieb mit 100 ha durch.

Mit deinen eigenen Zahlen rechnest du im Deckungsbeitragsrechner nach: Er startet mit den Werten aus der Tabelle, und du überschreibst Ertrag, Preis und jede Kostenposition. Seine Spanne bei ±10 % Preis und Ertrag zeigt dir, wie empfindlich das Ergebnis ist — beim Weizen reicht sie von 349 bis 1.018 €/ha.

Woher du belastbare Vergleichswerte bekommst

„Durchschnittliche Deckungsbeiträge“ gibt es nicht als eine einzige Zahl. Sie schwanken zwischen Regionen, Bodenpunkten, Jahren und Vermarktungswegen so stark, dass ein pauschaler Wert allein in die Irre führt. Was es gibt, sind sauber erhobene Kalkulationsdaten, an denen du dich orientieren kannst:

Quelle Was du dort bekommst
Deine eigene Buchführung Die einzigen Zahlen, die wirklich deinen Betrieb abbilden. Immer die erste Wahl, sobald drei Jahre vorliegen.
KTBL-Datensammlung Bundesweite Kalkulationsdaten für Betriebsplanung, Verfahren und Maschinenkosten — die übliche Referenz in Beratung und Ausbildung.
LfL Bayern Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft veröffentlicht Deckungsbeiträge und Kalkulationsdaten für zahlreiche Kulturen und Verfahren.
Landwirtschaftskammern Regionale Richtwert-Deckungsbeiträge, zugeschnitten auf die Standortbedingungen des jeweiligen Bundeslands.
Beratungsring oder Arbeitskreis Anonymisierte Auswertungen vergleichbarer Betriebe in deiner Region — das ehrlichste Benchmark, weil Standort und Betriebsgröße passen.

Ein Hinweis zum Umgang damit: Fremde Kalkulationsdaten sind zum Prüfen gedacht, nicht zum Abschreiben. Wenn dein Wert deutlich unter der Vergleichsgröße liegt, ist das kein Urteil, sondern eine Frage — meist zu Ertragsniveau, Einkaufspreisen oder Vermarktung. Genau diese Frage ist der eigentliche Nutzen der Rechnung.

Zum Nachrechnen: LfL-Deckungsbeiträge, KTBL-Rechner und Kammer-Richtwerte

Zum Gegenprüfen findest du diese Kalkulationen online. Sie unterscheiden sich in Region, Preisbasis und Detailtiefe von unserem Rechner:

  • LfL Bayern: Deckungsbeiträge und Kalkulationsdaten — das Rechenprogramm der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft mit Verfahren für Ackerbau, Futterbau und Tierhaltung, konventionell und öko, vorbelegt mit bayerischen Durchschnittswerten. Du wählst den Zeitraum (Planung Erntejahr 2027, einzelne Erntejahre, Drei- oder Fünfjahresschnitt), Schlaggröße und Pflanzenschutz-Intensität. Voreingestellt sind Werte inklusive Umsatzsteuer, netto ist umschaltbar. Pauschalierst du, rechnest du Preis und Kosten jeweils inklusive Umsatzsteuer. Detaillierter als unser Rechner, aber auf Bayern bezogen.
  • KTBL: Leistungs-Kostenrechnung Pflanzenbau — du stellst Ertragsniveau, Boden, Schlaggröße, Mechanisierung und Entfernung ein, die Maschinenkosten ergeben sich aus den einzelnen Arbeitsgängen. Die Preise sind netto: Orientierungspreise auf Basis der letzten drei Kalenderjahre, angepasst an die aktuelle Preisentwicklung. Prämien bleiben außen vor. Unser Rechner nutzt dagegen Planungspreise für 2027 und fasst die Kosten in fünf Blöcken zusammen.
  • Landwirtschaftskammer NRW: Planungsdeckungsbeiträge 2024/2025 (PDF, März 2025) — konventionelle und ökologische Verfahren, je Kultur in mehreren Ertragsstufen, netto und ohne Prämien. Die Kosten stammen aus den Wirtschaftsjahren 2022/23 und 2023/24, die Erzeugerpreise sind Durchschnittspreise der Jahre 2019 bis 2024. Beides ist älter als die Werte in unserem Rechner.
  • LEL Baden-Württemberg: Ökonomik der Betriebszweige — dort das „Rosa Blatt“ (Daten für die Betriebsplanung, Stand Mai 2026): Orientierungswerte je Verfahren, netto, ohne Prämien, im Ackerbau mit Lohnernte gerechnet. Ein Teil unserer Kostenansätze stammt von dort.

Häufige Fehler

  • Prämien vergessen. GAP-Direktzahlung, Öko-Regelungen, JES rechnest du getrennt zum DB dazu — KTBL und LEL weisen den DB ohne Prämien aus. Wer sie ganz vergisst, unterschätzt, was für Pacht und Gewinn bleibt.
  • Eigene Arbeit einrechnen. Die eigene Arbeit gehört nicht in die variablen Kosten — sie zählt zu den Faktorentgelten und wird erst nach dem DB berücksichtigt.
  • Pacht mit einrechnen. Pacht ist fix pro Hektar — sie fällt an, egal was du anbaust. Sie gehört nicht in den DB.
  • Einzelne Spitzenjahre überbewerten. Rechne immer mit 3- bis 5-Jahres-Durchschnitten, um Ertrags- und Preisschwankungen auszugleichen.

FAQ

Was bringt der DB bei Viehhaltung?

Da rechnest du pro Tier oder pro kg Fleisch/Liter Milch: Milcherlöse + Kälberverkauf minus Futter, Tierarzt, Besamung, Einstreu = DB pro Kuh. Standardwerte findest du beim KTBL oder der LWK.

Wie oft sollte ich den DB aktualisieren?

Jährlich, nach dem Abschluss. Getrennt für jede Kultur oder jeden Betriebszweig. Viele Kalkulationen werden über Jahre „fortgeschrieben“ — dann sind die Zahlen irrelevant.

Woher bekomme ich realistische Kostenansätze?

Eigene Buchführung ist das Beste. Wenn noch keine Daten da sind: KTBL-Datensammlung, Landwirtschaftskammer-Deckungsbeiträge, top agrar Jahresabschluss-Auswertungen.

Ist der DB das Gleiche wie der Gewinn?

Nein. Vom DB musst du noch Fixkosten abziehen (Pacht, Versicherungen, Maschinenfixkosten, AfA, Zinsen). Erst danach kommt der Gewinn — und aus dem bezahlst du noch deine eigene Arbeit. Ein durchgerechnetes Beispiel steht oben im Abschnitt „Vom Deckungsbeitrag zum Gewinn“.

Wo finde ich durchschnittliche Deckungsbeiträge für die Landwirtschaft?

Belastbare Vergleichswerte liefern die KTBL-Datensammlung, die Kalkulationsdaten der LfL Bayern und die regionalen Richtwerte der Landwirtschaftskammern. Einen bundesweit gültigen Durchschnittswert gibt es nicht — dafür gehen Standort, Ertragsniveau und Vermarktung zu weit auseinander.

Was ist der Unterschied zwischen Deckungsbeitrag und DkfL?

Die direktkostenfreie Leistung ist ein Deckungsbeitrag mit fest definierter Abgrenzung für die Milchviehhaltung. Weil alle Betriebe dieselben Positionen abziehen, lassen sich die Ergebnisse untereinander vergleichen — beim allgemeinen Deckungsbeitrag ist das nicht garantiert.

Dein nächster Schritt

Willst du nicht mit Excel kämpfen? Unser Deckungsbeitragsrechner berechnet dir den DB in 3 Minuten — mit hinterlegten Richtwerten für Winterweizen, Wintergerste, Winterraps, Silomais, Körnermais und Zuckerrüben. Das Ergebnis siehst du sofort. Auf Wunsch schicken wir dir deine Eingaben und die Einordnung per E-Mail.

Zum Deckungsbeitragsrechner →

Landw!r® ist eine eingetragene Unionsmarke. Impressum